26. März 2020

Was ist nur mit unserer Kommunikation passiert?

Social Media Apps Kommunikation

DIGITALISIERUNG

„Bist du bei Facebook?“ Ist das neue „Wie ist deine Telefonnummer.“¹ Frei von Zeitverschiebungen und Grenzen sind von rund 3,9 Milliarden Internetnutzern weltweit 2,62 Milliarden in Sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram organisiert². Es ist wie eine zweite Identität, ein Avatar in der virtuellen Welt. Das Phänomen Social Media revolutioniert das Leben-und die zwischenmenschliche Kommunikation. 

Von der ersten Email über Social Media bis hin zum Internet der Dinge: die Digitalisierung ist im Alltag angekommen. Das Internet bietet als Medium der Kommunikation die Basis und liefert gleichzeitig das umfangreiche Werkzeug, um Kommunikation auf die digitale Ebene zu heben. 

WAS IST EIGENTLICH KOMMUNIKATION GENAU? 

Jeder Mensch kommuniziert tagtäglich, ob er es will oder nicht. Selbst ein nicht-kommunizieren ist eine Art der Kommunikation, oder wie Paul Watzlawick schon sagte: ,Man kann nicht nicht kommunizieren“ (1. Axiom). Jede Art von Kommunikation, ob verbal oder durch die Körpersprache, sendet durch das Verhalten Signale an Mitmenschen. 

Im Grunde ist Kommunikation eine Informationsübertragung. Worte, Absichten, Emotionen, Gefühle oder einfach nur Fakten werden durch sie zum Ausdruck gebracht. Laut einer Studie des Allensbach-Instituts verläuft 81% der Kommunikation über non-verbale Kanäle und beweist die Vielschichtigkeit der menschlichen Kommunikation³. Schon Babies lernen, die non-verbalen Signale der Eltern zu deuten. 

Watzlawicks zweiter Grundsatz besagt, dass jede Kommunikation einen Inhalts- und Beziehungsaspekt hat. Der Inhaltsaspekt deckt sich weitestgehend mit der Absicht, Informationen und Meinungen zu vermitteln. Der Beziehungsaspekt beschreibt sozusagen die Art und Weise, wie und nach welcher Selektion Informationen weitergegeben werden. Auf Basis der Körpersprache, Stimmlage, Mimik und Gestik lässt sich die Relation der Gesprächspartner erahnen. 

GRENZENLOSE VERFÜGBARKEIT DURCH SOCIAL MEDIA 

2007 läutet Apple mit der Einführung des iPhone das Zeitalter des mobilen Internets ein und damit eine neue Ebene der Digitalisierung. Waren bis zur Möglichkeit des mobilen Internets Informationen und Wissen nur stationär erreichbar, ist es jetzt möglich, alles sofort abzurufen. Jeder, der in Besitz eines Smartphones ist, ist unabhängig von Zeit und Ort erreichbar. Das Zauberwort heisst Echtzeit und bringt eine ungeheure Beschleunigung der Kommunikation mit sich.

Durch die rasante Geschwindigkeit der Informationen, die tagtäglich durch Social Media rauschen, verdichtet sich die Kommunikation zusehends. Social Media Anwendungen wie Instagram, Snapchat, WhatsApp, Facebook oder Twitter möchten Aufmerksamkeit. Waren es vor einem Jahrzehnt noch textbasierte Emails, ICQ-Chats oder klassische SMS, kommen heute noch unzählige Medienarten hinzu. Seit dem Siegeszug vom Instagram wird zum Großteil über Bilder und Instastories kommuniziert. Wissenschaftler sprechen mittlerweile von einer Art Bildsucht, hervorgerufen durch Social Media wie Instagram. 

Thomy wartet bereits auf Deine Nachricht

Im Grunde ist Kommunikation eine Informationsübertragung. Worte, Absichten, Emotionen, Gefühle oder einfach nur Fakten werden durch sie zum Ausdruck gebracht. Laut einer Studie des Allensbach-Instituts verläuft 81% der Kommunikation über non-verbale Kanäle und beweist die Vielschichtigkeit der menschlichen Kommunikation³. Schon Babies lernen, die non-verbalen Signale der Eltern zu deuten. 

SOZIALE MEDIEN SIND ZUM DREH-UND ANGELPUNKT GEWORDEN 

Social Media lässt die Grenzen zwischen privatem, beruflichen und öffentlichem verschwimmen. Egal ob im Sportverein, in der Familie oder in der Arbeit – alles dreht sich um die neusten Bilder, Updates oder Standorte. Plötzlich weiss jeder alles, der Nutzer gibt mehr von sich preis als noch zu Zeiten der klassischen Face-to-Face Kommunikation. Privatsphäre hat eine neue Dimension erreicht, möglich durch Social Media. 

Im Jahre 2013 hat das Oxford English Dictionary offiziell das Wort „Selfie“ in den Wortschatz aufgenommen. Selfies sind vor allem ein Mittel, sich selbst von seiner besten Seite zu inszenieren. Eine Studie von YouGov und Statista zu den häufigsten Gründen für Selfies ergab dass knapp die Hälfte aller Befragten Selfies teilt, um anderen zu zeigen , was sie gerade machen. Rund 20% gaben an, Selfies zu machen, weil sie sich selbst schön finden und ein schönes Leben haben⁴. 

Das Bestreben eines Menschen, sich an der Öffentlichkeit von einer positiven und lebensbejahenden Seite zu zeigen, ist definitiv nicht neu. Urlaubsbilder, Bilder vom neuen Italiener, Bilder von glücklichen Momenten mit dem Partner, meist durch Filter bearbeitet, bilden jedoch nur einen Bruchteil der persönlichen Wirklichkeit ab. 

Diese Tendenz, vor allem seine „Schokoladenseite“ zu zeigen, kann zu einer Wahrnehmungsverzerrung der eigenen Realität führen. Die steigende Erwartungshaltung sich selbst gegenüber, die hinzukommende Reizüberflutung und eine sinkende Hemmschwelle lässt einen gewissen Stresspegel unter Nutzern entstehen, welcher nicht selten negativ ausfällt. 

SHITSTORMS VS „15 MINUTES OF FAME“

Durch die tägliche Flut an Posts und Bildern sieht sich der Nutzer einer gewissen Erwartungshaltung gegenüber, welche er entweder zu erfüllen hat oder erfüllen möchte. Durch die fehlende Beziehungsebene und die gewisse Anonymität zwischen den Nutzern sinkt die Hemmschwelle, wie beispielsweise Shitstorms zeigen. Ein Shitstorm auf eine einzelne Person kann mitunter zum gesellschaftlichen Ausschluss führen. 

Jedoch kann ein solcher Hass-Sturm auch Medienaufmerksamkeit mit sich bringen, wie beispielsweise 2015 durch ein Twitter-post der Schülerin Naina geschehen: „Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann eine Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen“ postete die damals 17-Jährige⁵. Die Botschaft des Tweets mag nicht neu gewesen sein, dass die Nachricht aber bis ins Bildungsministerium reichte, schon. Dieses reale Beispiel zeigt die unglaubliche Macht von Aussagen welche über Social Media getätigt werden. Durch die schnellen und oft unüberlegten Reaktionen auf Meldungen kann es zu einer polarisierenden Spaltung der Gesellschaft kommen, dessen Auswirkungen von himmelhoch jauchzender Bewunderung bis hin zu überschäumenden Hass reichen können. 

Entgegen dem oben genannten Beispiel kann Social Media aber auch einen Kanal darstellen, der ohne jegliche Ausbildung oder jahreslanges Studieren zum Erfolg durch eine Leidenschaft führt. Instagram Stars zeichnen sich nicht durch eine ellenlange Liste von wissenschaftlichen Publikationen oder Hollywood Blockbustern aus, sondern durch die Währung Follower oder Klickzahlen. Der Instagram Star Caro Daur oder Bibisbeautypalace sind nur einige Beispiele für eine raketenhafte Karriere durch Social Media.

ONLINE DATING 

Ein wichtiger Teil der menschlichen Kommunikation entsteht aus dem ureigensten Bedürfnis heraus, sich zu verlieben. War es früher üblich, arrangierte Ehen aus standesgemäßen Gründen zu schliessen, ist dies heute in der westlichen Kultur kaum noch denkbar. Seit der Romantisierung der Liebe im späten 18. Jahrhundert versucht der Mensch unabhängig von gesellschaftlichen Normen, seine wahre Liebe zu finden. Wer sich in der realen Welt in diesem Thema verloren fühlt, greift schnell zu Online-Dating Portalen. 

Die Schnellbigkeit von Social Media überträgt sich auch auf die Suche nach der/dem Richtigen. Apps und Online Dating-Agenturen machen eine zielgerichtete Suche schneller, einfacher und bequemer als je zuvor. Die romantische Vorstellung, man trifft die Liebe seines Lebens beim Spazieren gehen im Park, ist komplett überholt. Den richtigen Partner zu finden, geht heutzutage auch von der Couch aus. 

Während man früher mühsam nach einem Partner suchen musste, bietet sich heute eine Vielzahl an Applikationen und Kanälen an, um je nach Bedürfnis einen passenden Partner zu finden. Seit 2001 die erste Dating-Agentur Parship in Deutschland online ging, sind heute knapp 9 Millionen Menschen im Internet auf der Suche nach dem perfekten Partner.

Seriöse Partneragenturen wie beispielsweise Elitepartner lassen durch eine umfassende Angabe von persönlichen Informationen wie Titel und Ausbildung wieder uralte Konzepte der menschlichen Kommunikation aufleben, es wird standesgemäß nach einem Partner gesucht. Digitale Algorithmen ersetzen langatmige Versuche des Kennenlernens durch die Angabe der Wunscheigenschaften des Partners und der eigenen Präferenzen. 

Im Gegensatz dazu revidieren Dating-Apps wie Tinder das Konzept der romantischen Liebe, ein langes Umwerben wird unnötig. Im kleinsten Umkreis ergibt sich eine Verdichtung der potentiellen Partner und je nach Zielsetzung der Partnersuche kann es zu einem sofortigen Kennenlernen kommen. Social Media überträgt seine Schnellebigkeit auch auf die Partnersuche. 

AUCH ARBEITGEBER SIND AKTIV IN SOCIAL-MEDIA 

Auch potentielle Arbeitgeber nutzen die Macht der sozialen Medien. Vorbei sind die Zeiten, in denen Arbeitgeber lediglich Wert auf eine Bewerbung aus Papier und der Persönlichkeit des Bewerbers legen. Der Auftritt in Social Media Kanälen zählt. Follower oder Klicks sind in der digitalen Welt zur neuen Währung geworden, die digitale Reputation kann das ausschlaggebende Zünglein an der Waage sein.
„63 Prozent der Unternehmen recherchieren Social-Media-Profile“, verriet eine Studie des Branchenverbandes Bitkom in einer repräsentativen Studie⁵. Nicht nur berufliche ausgerichtete Plattformen wie Xing oder LinkedIn wurden bei der Auswahl von Bewerbern herangezogen, auch private genutzte Kanäle wie Facebook oder Twitter fliessen mittlerweile in eine Bewerbung mit ein. Bereits jeder vierte Personalverantwortliche hat schon Bewerber aufgrund der Social-Media Selbstdarstellung aussortiert.

Der häufigste Grund für ein Aussortieren der Bewerbung sind zu 75% einer aggresiven und beleidigenden Sprache geschuldet, gefolgt von Hinweisen zu Drogenkonsum und schlechter Rechtschreibung⁷. Allesamt Gründe, welche meist im privaten Umfeld passieren und ohne Social Media möglicherweise nicht zum Ausschluss der Bewerbung geführt hätten. 

Der Fakt, dass ein zu hoch frequentierter Social Media Kanal „nur“ mit 29 % zum Ausschluss des Bewerbers führt, zeigt die doch relative Aufgeschlossenheit von Unternehmen gegenüber der Kommunikation in Social Media Kanälen. Die in den USA ansässige Social Media Agentur „Vaynermedia“ ignoriert beispielsweise Bewerbungen ohne vollständiges LinkedIn-Profil. Alle diese Fakten zeigen, dass Social Media bereits großen Einfluss auf das Arbeitsleben hat. 

SUMMA SUMMARUM:

Social Media hat die menschliche Kommunikation auf eine neue Ebene gehoben. Es stellt sich nur die Frage, ob wir wirklich gewissenhaft damit umgehen können und am Ende die Kultur der Kommunikation darunter leidet. Eines kann jedoch sicher festgehalten werden: Heutzutage ist eine Kommunikation ohne Social Media nicht mehr denkbar, diese sollte aber niemals ein gutes persönliches Gespräch ersetzen, im privaten wie im beruflichen Bereich.

QUELLEN

¹Erik Qualman, Socialnomics, 2010, S. 63

²https://de.statista.com/statistik/daten/studie/805920/umfrage/anzahl-der-internetnutzer-weltweit/https://de.statista.com/statistik/daten/studie/219903/umfrage/prognose-zur-anzahl-der-weltweiten-nutzer-sozialer-netzwerke/

³http://interaktionsblog.de/koerpersprache-deutschland/

https://de.statista.com/infografik/8537/die-haufigsten-gruende-fuer-selfies/

https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Zwei-von-drei-Personalern-informieren-sich-online-ueber-Bewerber.html

https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Zwei-von-drei-Personalern-informieren-sich-online-ueber-Bewerber.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/797777 /umfrage/ablehnungen-von-kandidaten-aufgrund-des-social-media-auftritts-in-uk/

Über den Autor

Projektmanagement und zielorientierter Kundenkontakt sind seine Aufgaben. Als Quereinsteiger in die Digitallandschaft besitzt er die Gabe komplexe, digitale Vorgänge in einfachen Worten und Analogien zu beschreiben – ein Segen für unsere Kommunikation.
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